Eritrea 03/17
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AUSZUG 7. JANUAR 2016 DIE ZEIT

Wer geht als Nächster?

Asmara, Keren, Barentu nfang Oktober 2015 verließ Doktor Tesfay die Stadt Barentu und seine Heimat Eritrea und kam nicht mehr zurück. Seit Monaten schon hatte es Anzei- chen gegeben, dass der Arzt sich mit dem Gedanken trug zu flie-
hen. Mal war es eine beiläufige Bemerkung, mal ein leises, hartnäckiges Murren, gerade so stark, dass es ihm als nicht zu harsche Kritik am System ausgelegt werden konnte, und doch heftig genug, um ihm etwas Erleichterung zu verschaffen. Wer ein feines Ohr hatte, konnte also wissen, dass dieser Arzt sich bald jenen anschließen würde, die jeden Tag über die Grenze Eritreas gehen, meist in den Sudan und danach weiter in Richtung Norden. Und es hat ja jeder ein feines Ohr in diesem kleinen Land, in dem es für Menschen zwischen 17 und 40 Jahren so gut
wie unmöglich ist, legal auszureisen. Wird er der Nächste sein, der geht?
Diese Frage ist in allen Gesprächen präsent. Sie lastet wie ein Alb auf jeder Begegnung. 5000 sollen es jeden Monat sein, die ihre Heimat verlassen, bei einer Einwohnerzahl von knapp sechs Millionen ist das für Eritrea ein existenzbedrohender Aderlass. Aus keinem anderen afrikanischen Land kommen so viele Asylbewerber nach Deutschland, 10 203 Anträge zählte das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge bis Ende November in diesem Jahr, 2014 lag Eritrea hinter Syrien und Serbien sogar auf Platz drei der Herkunftsländer. Der massen- hafte Exodus spielt sich in aller Stille ab. Die Men- schen schweigen meist, bevor sie gehen, und sie schweigen meist auch noch, nachdem sie längst nicht mehr im Land sind. Wer Eritrea besucht, der hat den Eindruck, das Land sei wie ein Haus, des- sen Bewohner sich möglichst geräuschlos über die
Flure bewegen, weil in jeder Ecke ein böser Geist lauert, der sich erheben könnte, um sie zu ver- schlingen. Ein falsches Wort nur, schon könnte es um sie geschehen sein. Politik, immer wenn dieses Wort zu fallen droht, ducken sich die Gesprächs- partner innerlich weg, sie schrumpfen regelrecht zusammen, als wollten sie sich unsichtbar machen. Von irgendwoher könnte ein Schlag kommen, jetzt sofort oder später. Nein, Eritrea ist kein freies Land. Es ist eine Diktatur.
Die Lücke, die Doktor Tesfay hinterlässt, lässt sich ziemlich genau beschreiben. Er war im Kran- kenhaus von Barentu der Einzige, der den Kaiser- schnitt beherrschte. Jetzt, da er weg ist, müssen die schwangeren Frauen, die ihre Kinder per Kaiser- schnitt zur Welt bringen müssen, mit einem Kran- kenwagen in die Stadt Keren gefahren werden, dort gibt es noch Ärzte, die diese Kunst beherrschen. Bis dorthin sind es für die Schwangeren mindestens
drei Stunden Fahrt auf der harten Holzpritsche des Krankenwagens. Wenn die Wehen nach Sonnenuntergang einsetzen, müssen die Schwangeren bis zum Morgengrauen aushar- ren, denn bei Dunkelheit sind die holprigen Straßen zu unsicher. Die Frauen erwartet eine Nacht voller Schmerzen, eine Tortur. Doktor Tesfay muss gewusst haben, welche Lücke er hinterlässt. Trotzdem ist er weggegangen.
Wovor ist er davongelaufen? Was hat ihn vertrieben?

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Im Juni 2015 veröffentlichte der UN-Men- schenrechtsrat einen Bericht, der Eritrea in düstersten Farben beschreibt. Es gebe in dem Land, »systematische, weit verbreitete und schwere Menschenrechtsverletzungen«. Im Zentrum der Kritik steht der National Service, der für alle Eritreer – Männer wie Frauen – verpflichtend ist. Offiziell ist der National Service auf 18 Monate begrenzt, aber laut UN-Bericht wird er auf unbestimmte Zeit ausgedehnt. Der National Service stellt Lehrer, Krankenschwestern, Straßenarbeiter, Wach- personal – würde der National Service abge- schafft, bräche das bisschen Wirtschaft, das Eritrea hat, wohl über Nacht zusammen. In dem UN-Bericht steht, dass die Dienstleisten- den in »sklavenähnlichen« Verhältnissen ge- halten würden, Frauen würden in den Militär- lagern massenweise vergewaltigt. Der National Service ist der Grund dafür, dass die Anerken- nungsquote für Asylsuchende aus Eritrea in Deutschland bei rund 90 Prozent liegt.
Dieser UN-Bericht ist allerdings heftig um- stritten. Alle eritreischen Zeugen, die darin zu Wort kommen, leben im Ausland. Dass nie- mand aus Eritrea selbst zu Wort kommt, liegt freilich auch daran, dass die Regierung die Zu- sammenarbeit mit dem UN-Menschenrechts- rat verweigert hat. Trotzdem hätten die Re- chercheure der UN Meinungen aus dem In- land sammeln können. Westliche Botschafter sind nach eigenen Aussagen nicht gehört wor- den. Der Bericht, heißt es aus ganz unter- schiedlichen westlichen diplomatischen Krei- sen, sei tendenziös, unvollständig, in Teilen gar frei erfunden. Der Vorsitzende der UN- Kommission, der Australier Mike Smith, sagt:
»Natürlich wären wir für diese Untersuchung gerne nach Eritrea gereist. Wir hätten mit Be- troffenen vor Ort sprechen und mit unseren eigenen Augen Gefängnisse und Kasernen in- spizieren und so Zeugenaussagen verifizieren können. Nicht zuletzt wäre es möglich gewe- sen, die Behörden selbst in den Bericht mitein- zubeziehen. All dies war leider nicht möglich. Ist das ein schwerwiegendes Manko? Die Ant- wort ist Nein. Ich stehe uneingeschränkt hin- ter diesem Bericht.«
Das kanadische Minenunternehmen Nevsun, das in Eritrea Goldminen betreibt, hat einen 60-seitigen Bericht als Antwort auf die UN-Anschuldigungen veröffentlicht, um zu belegen, dass es keine »Zwangsarbeiter« be- schäftigt. Auch das dänische Ministerium für Immigration weicht in einem eigenen Report, der sich auch auf Quellen in Eritrea stützt, vom drastischen Bild der UN ab und beschreibt die Schwierigkeiten, die Lage im Land über- haupt richtig einzuschätzen: »Es ist sehr schwer, an glaubwürdige Informationen zu gelangen, man weiß nie, was man glauben und wem man glauben kann (...) Flüchtlinge sind die Quel- len, die am häufigsten zitiert werden, um die Lage in Eritrea zu beschreiben. Aber Flücht- linge sind als glaubwürdige Quellen nicht sehr zuverlässig, denn sie sind bereit, alles zu sagen,
was ihnen dabei helfen wird, den Asylstatus zu be- kommen.« Der dänische Bericht jedenfalls kommt zu dem Schluss, dass eine Rückführung von Flüchtlingen nach Eritrea »zumutbar« sei. Alles halb so schlimm also?
Ehemalige Mitarbeiter der Immigrationsbehör- de sagten, der dänische Bericht sei nichts weiter als eine Auftragsarbeit, die eine Neubewertung des eritreischen Regimes zum Ziel habe. Denn: Je bes- ser das Regime dargestellt werde, desto weniger Eritreern muss Dänemark Asyl gewähren. Ange- sichts des gewaltigen Migrationsdrucks auf Euro- pa, dürfte das auch in anderen europäischen Län- dern attraktiv klingen – auch in Berlin. Im De- zember war Entwicklungsminister Gerd Müller in Asmara zu Gast, der erste Besuch eines deutschen Ministers seit vielen Jahren – der Besuch stand im Zeichen der »Bekämpfung von Fluchtursachen«. Müller will jedenfalls weiter im Gespräch mit der eritreischen Regierung bleiben, eine gemeinsame Arbeitsgruppe ist eingerichtet, um Kooperations- möglichkeiten auszuloten.
Was also ist zu halten von den so unterschiedli- chen Berichten und der Kritik daran?
Manche Dinge in Eritrea sind auf den ersten Blick zu erkennen. Zum Beispiel die unterernähr- ten Mütter und Kinder in den Krankenhäusern von Barentu und Keren. Darauf angesprochen, versichert ein Arzt, die Menschen seien gar nicht unterernährt, sie wüssten nur nicht, wie sie die Nahrung, die sie durchaus hätten, zubereiten soll- ten. In Asmara gebe es Beamte, die dafür verant- wortlich seien, in die Dörfer zu gehen, um Men- schen darüber aufzuklären, wie sie ihr Essen zube- reiten sollten, aber sie verließen ihre Büros nicht, täten also ihre Arbeit nicht. Und sollte es doch mal an was fehlen, habe die Regierung vorgesorgt, die Lagerhäuser seien gewiss voll. Dann dreht der Arzt noch ein paar rhetorische Runden, bis er endlich weit genug entfernt ist vom heiklen Thema und sich einigermaßen sicher fühlt.




Niemals würde die Regierung zugeben, dass die eigene Bevölkerung unter Hunger leidet. Das wäre ein Zeichen von Schwäche und Abhängigkeit, die sich dieses Land nicht erlauben will. Eritrea braucht niemanden. Diese »Sturheit« ist gewach- sen im dreißigjährigen Kampf Eritreas gegen den übermächtigen Nachbarn Äthiopien, bis hin zur Unabhängigkeit 1991. Erst die USA, später Russ-


Aus keiner afrikanischen Nation fliehen so viele Bürger wie aus Eritrea. Woran liegt das? Erkundungen in einem verschlossenen Land VON ULRICH LADURNER
Schweißer im »metalmar- ket« von Asmara (l.). Auto- rennen im Zentrum Asma- ras (o.). Junge Eritreerin im Krankenhaus von Barentu


land lieferten Äthiopien die Waffen zur Bekämp- fung des eritreischen Aufstands. Eigentlich hat- ten die Vereinten Nationen dem Land nach dem Zweiten Weltkrieg die Unabhängigkeit zugesagt, aber das Machtstreben des regionalen Riesen Äthiopien war offenbar wichtiger.
Es ist also nicht falsch, zu sagen, dass die Eri- treer alle Welt gegen sich hatten. Wer jahrzehnte- lang von Feinden umzingelt war, der glaubt nicht so schnell, dass sie über Nacht verschwinden.
Der Führer der eritreischen Befreiungsbewe- gung und seit 24 Jahren amtierende Präsident, Isaias Afwerki, sagte bei seiner ersten Rede nach der Unabhängigkeit vor den Delegierten der Afrikanischen Union: »Ich habe nicht dreißig Jahre gekämpft, um jetzt Kompromisse zu schlie- ßen!« Große Härte und sehr viel Stolz. Das hat die Eritreer durch ihren langen Krieg geführt. Das gilt für den Präsidenten auch heute noch. Krieg ist sein Metier, nicht d

gemacht, und es ist eines der wenigen afrikani- schen Länder, die auf dem Wege sind, in diesem Bereich die Millenniumsziele zu erreichen.«
So gut das ist, so wahr ist auch, dass die Ärz- tinnen und Schwestern, die dieser Tage im Kran- kenhaus von Keren ihren freiwilligen Dienst tun, von ihrem Frühstückstisch im Hotel Brötchen mitnehmen, um sie den Müttern im Kranken- haus zu geben. Denn die Mütter kommen oft genug unterernährt in die Klinik und bringen unterernährte Kinder zur Welt. Wenn eine Mut- ter nicht genügend Milch für ihr Neugeborenes hat, muss sie zu horrenden Preisen Babyersatz- nahrung kaufen, umgerechnet 90 Euro kostet das. Ein Lehrer verdient 50 Euro im Monat. Die galoppierende Inflation nimmt den Menschen das wenige, was sie verdienen. Doch in der Hauptstadt Asmara wird der Informationsminis- ter Yemane Ghebremeskel im Gespräch noch sa-
ation? Nein, das ist wirklich

denn hier Dienst leisten wolle, fröhlich: »Für den Rest meines Lebens!«
Dieser Geschichte muss man jene einer Mutter entgegenstellen, deren Tochter in wenigen Mona- ten nach Sawa kommen soll, dem Militärcamp des National Service. Alle eritreischen Rekruten müssen zuerst dorthin. Die Mutter will mit ihrer Tochter flüchten, bevor es so weit ist. Damit ihr Kind nicht lebenslang dem Staat dienen müsse. Ihr Mann hat es schon nach Europa geschafft. Jetzt wollen sie nachkommen. All das schreibt sie auf einem Zettel nieder, den sie dem Journalisten über Mittelsmän- ner zukommen lässt, denn ein persönliches Ge- spräch hält sie für zu riskant. In Eritrea haben die Wände Ohren.
»Wir müssen es schaffen, sonst sind wir verlo- ren«, schreibt die Mutter in einer bauchigen Buch- stabenfolge.
Welches Bild von Eritrea also ist angemessen?

Vielleicht dieses: Herr Tewelde führt schweren Schrittes durch eine weitläufige Textilfabrik am Stadtrand Asmaras. Das italienische Textilunter- nehmen Zambaiti hat sie 2004 eröffnet. Tausende Hemden, Hosen, Jacken verlassen täglich das Werk in Richtung Europa. Dolce Vita, Armani, Boggi – das sind einige der renommierten Marken, die von hier aus beliefert werden. Alles gute Ware, kein Schund darunter. Es lassen sich also gute Geschäfte mit Eritrea machen. 550 Menschen arbeiten in der Fabrik, die große Mehrheit sind Frauen. Sie verdie- nen für eritreische Verhältnisse überdurchschnitt- lich viel. Tewelde ist als Verwalter der Fabrik auf all das sicher stolz. Doch während er an den Arbeite- rinnen vorbeigeht, die über surrenden Nähmaschi- nen gebeugt sind, sagt er: »Unser größtes Problem ist, dass jeden Monat 10 bis 20 Arbeiterinnen ins Ausland verschwinden. Wir bilden sie aus, dann gehen sie, über Nacht!«
das Reich des Kompromis nicht seins.
Die Türen in Eritrea öff- nen sich langsam, doch kön- nen sie sehr schnell wieder zugehen. Hilfe von außen wird gerne als ungebührli- che Einmischung empfun- den. Mit dieser Haltung begegnet die Regierung, die im Wesentlichen aus ehema- ligen Freiheitskämpfern steht, auch den Fragen zu vielen Flüchtenden.
Im Gespräch mit der ZEIT blockt der Präsidentenberater Yemane Gebreab alle Fragen nach politischen Gefangenen konsequent ab.
»Das Problem«, sagt er, »ist, dass man ein Bild von Eritrea festgelegt hat, ohne das Land zu ken- nen.« Leicht wird es diesem kleinen Land tat- sächlich nicht gemacht. Eritrea steht etwa seit 2009 unter UN-Sanktionen, weil es angeblich die islamistischen Al-Shabaab-Milizen in Soma- lia unterstützte. Belastbare Beweise dafür sind aber bis heute nicht aufgetaucht.
Warum ausgerechnet wir? Warum redet ihr nicht über Saudi-Arabien oder über die Proble- me in Äthiopien? Das bekommt man in Eritrea immer wieder zu hören, nicht nur von Regie- rungsvertretern. Die Regierung schürt gerne den Verdacht, dass die Welt – besonders aber Äthio- pien und sein Schutzpatron Amerika – die staat- liche Existenz Eritreas bis heute nicht wirklich akzeptiert. Lauter Feinde, kein Freund weit und breit. Der Krieg ist in den Köpfen der politischen Führung nie zu Ende gegangen. In der eritrei- schen Wagenburg blüht die Autokratie.
Der deutsche Arzt Peter Schwidtal engagiert sich seit 1995 mit dem Verein Archemed in Eri- trea. »Ich glaube, dass es Spielräume gibt. Den Menschen hier kann man helfen, und es gibt mehr Offenheit, als wir von außen sehen wol- len.« Archemed ist tatsächlich einiges gelungen in den letzten Jahren, eine hervorragende Kin- derherzchirurgie in Asmara, Ausbildung von Kinderärzten, neonatologische Zentren auch au- ßerhalb der Hauptstadt. Im Zentrum steht der Wissens- und Kompetenztransfer nach Eritrea. Archemed arbeitet an seiner eigenen Abschaf- fung. Irgendwann wollen sie nicht mehr ge- braucht werden, irgendwann sollen die Eritreer selber so weit sein, dass sie ihrem Land eine or- dentliche Gesundheitsversorgung garantieren können. Das autoritäre Regime hat dabei schon einiges erreicht. Selbst der sonst so kritische UN- Bericht des Menschenrechtsrates vermerkt: »Eri- trea hat im Bereich der Gesundheit Fortschritte
unser Problem!« Dabei spre- en die Preise auf den Märkten deutliche Sprache: Um- gerechnet drei Euro kostet
ein Liter Benzin. Überleben ist nur mög-
lich, wenn die Hundert- tausende Eritreer der Dias- pora Geld nach Hause schi- cken. Verlässliche Zahlen gibt es nicht, aber die Über- eisungen dürften sich im Mil- enbereich bewegen. Diese ungen der Ausgereisten sind
die Lebensader des Landes, ohne sie würde Eritreas Wirtschaft wohl zusammenbrechen.
So gesehen, nutzt der massenhafte Exodus dem Regime. Die potenziell unruhige Jugend verlässt Eritrea, Geld fließt zurück in das Land.
Ob die Auswanderer zurückdürfen in ihr Heimatland, auch darüber erzählt in Eritrea je- der etwas anderes. Offiziell heißt es, man müsse nur bei einer eritreischen Botschaft einen soge- nannten Reuebrief unterschreiben und zwei Prozent Steuern auf sein Einkommen zahlen – dann sei der Weg zurück angeblich frei. Wirk- lich? Heimkehrer müssen nach verschiedenen Berichten damit rechnen, dass sie inhaftiert wer- den. Gleichzeitig aber kommen viele Eritreer in ihre Heimat zurück, um hier ihren Urlaub zu verbringen, und können wieder ungehindert ab- reisen, so berichten es übereinstimmend auslän- dische Quellen in Asmara.
Gewiss ist wohl nur die Willkür des Regimes. Was gestern noch galt, kann morgen schon ganz anders sein. Allein diese Unberechenbarkeit er- zeugt lähmende Angst.
Doch gibt es kleine, positive Überraschun- gen. Etwa in Gestalt einer jungen Kranken- schwester, die in einer kleinen Gesundheitsstati- on zwischen Asmara und Keren arbeitet. Sie leistet hier ihren National Service ab, dessentwe- gen viele Eritreer in Europa Asyl erhalten. Nach der militärischen Grundausbildung hat sie Krankenschwester gelernt und wurde in diesen kleinen Ort entsandt.
Die Krankenschwester hat auf einem großen Plakat mit Filzstift eine Statistik über den Ver- lauf von Krankheiten in der Gegend eingetra- gen: Malaria, Cholera und was sonst hier noch auftreten kann und wovor rechtzeitig gewarnt werden muss, damit die Ärzte eingreifen kön- nen, um die Bevölkerung zu schützen. Die junge Frau leiste damit, wie ein anwesender Arzt sagt, wichtige Grundlagenarbeit. Als sie dafür über- schwänglich gelobt wird, lacht sie nur auf und antwortet schließlich auf die Frage, wie lange sie